Afrikas Tierwelt Matira Magazin

Prächtig in Form

Leierantilopen sind auffallend bunte Erscheinungen zwischen den sonst eher unscheinbar gefärbten anderen Antilopen der afrikanischen Grasländer. Und sie sind hervorragende Wachposten, die nicht nur allen anderen Huftieren ringsum mit ihrem Alarmschnauben jedes Raubtier signalisieren, sondern auch den Touristenguides mit ihrer deutlichen Körpersprache helfen, die begehrten Löwen oder Geparde zu finden. Ihr Sozialsystem ist sehr flexibel und erlaubt ihnen, in unterschiedlichen Lebensräumen zurecht zu kommen.

Prächtig in Form: Leierantilopen

Reinhard Radkes Kolumne zur afrikanischen Tierwelt

Wenn man das Maasai Mara Reservat besucht, fallen die farbenfrohen Leierantilopen sofort auf: Stattliche Tiere mit einem für Huftiere erstaunlich „bunten“ Fell. Glänzendes Rotbraun, ins dunkle Purpur abgesetzte Schenkel und dazu auffällig gelbe „Socken“ – von Tarnfärbung kann da kaum die Rede sein. Dazu stehen sie auch noch gerne auf erhöhten Plätzen wie Termitenhügeln, wo sie wie weithin sichtbare „Wächter“ wirken (übrigens nicht nur in der Tageshitze um sich abzukühlen, sondern oft schon im eiskalten Wind bei Sonnenaufgang). Tatsächlich sind sie für die Guides im Reservat wichtige Helfer bei der Suche nach Raubkatzen: Sie sind wesentlich besser im Aufspüren von Räubern als wir und zeigen mit ihrer Körpersprache und dem deutlichen Warnschnauben unmissverständlich, wo die Gefahr lauert. Analysen von Beutezahlen ergaben, dass sie von Löwen offensichtlich auch deutlich seltener erlegt werden, als es ihrem Anteil an den Huftieren in  einem jeweiligen Gebiet entsprechen würde. Geparde müssen sich auf heftige Gegenwehr gefasst machen und Mütter verteidigen ihre Jungen kompromisslos!

Wütend: Eine Leierantilope verteigt ihr Kalb energisch gegen ein Geparden-Weibchen (Malaika). Mit Hornstößen und Tritten wird die Katze traktiert, die das Kalb noch im Kehlbiss hält.
Glück gehabt: Nach fast 30 Sekunden hat Malaika genug und flüchtet. Sie trug keine erkennbare Verletzung davon. Das Kalb folgte nach dem Getümmel der Mutter ebenfalls ohne Schaden genommen zu haben.

Leierantilopen haben darüber hinaus aber noch eine ganze Reihe ungewöhnlicher Eigenschaften. Sie bevorzugen Gebiete mit mittleren Graslängen, bis etwa Kniehöhe, vor allem auf flachen tiefliegenden Schwemmländern. Interessanterweise haben sie aber eine sehr variable Art, sich auf die jeweiligen Bedingungen ihres Lebensraums einzustellen. So haben sie in einigen Regionen Nahrungsreviere, die von den Bullen (und teilweise sogar von den Weibchen) verteidigt werden. Dort halten sie sich das ganze Jahr über auf und leben in kleinen Gruppen, in denen der Revierbulle die Paarungsrechte an den Weibchen im Revier hat. Andere Populationen wandern dagegen und wechseln jahreszeitlich zwischen Regionen die ihnen jeweils Wasser und Futter bieten. Im ugandischen Queen Elizabeth Park, mit sehr guten Futterbedingungen, ziehen die Tiere in großen Herden von an die 2000 Tieren das ganze Jahr gemeinsam herum. In solchen Gebieten, wie beispielsweise auch in der Maasai Mara, sind sie ganz anders organisiert als in eher mageren Habitaten.

Discostimmung: Balzarena von Leierantilopen in der Maasai Mara. Hier haben mehrere Männchen ihre Reviere dicht an dicht abgesteckt und versuchen, die Weibchen mit Demonstrationen ihrer Männlichkeit zu beeindrucken. Die Weibchen werden davon angezogen und suchen sich vor allem die Bullen in den zentralen Revieren aus, die besonders umkämpft sind. In anderen Regionen ihrer Verbreitung haben Leierantilopen dagegen „konventionelle“ Brunftreviere, die weiter voneinander entfernt liegen.

Dort besetzen die Bullen nur in der Regenzeit kleine Paarungsterritorien, die in „Arenen“ dicht an dicht liegen können (auch „Leks“ genannt). Hier gibt es eine sehr intensive Konkurrenz unter den Bullen, die kaum noch zum Fressen kommen und dafür sogar kurzzeitig ihre Reviere verlassen müssen, weil es dort nicht genug Futter gibt. Zu diesen Arenen kommen die Weibchen und suchen sich die attraktivsten Bullen aus. Üblicherweise sind dies die Männchen, die sich im Zentrum der Arena behaupten können, denn dort sind die kleinen Territorien besonders hart umkämpft.

Wuchtig: Kämpfende Leierantilopen-Bullen gehen bei den heftigen Rammstößen oft „in die Knie“, um den Stoß abzufangen. Solche Kämpfe zwischen etablierten Reviernachbarn sind meist recht kurz und nur angedeutet. Wenn die Reviere erobert werden, können die Duelle aber über Stunden bis zur völligen Erschöpfung geführt werden.
Imponiergehabe: Mit besonders betonten Bewegungen (Prunkverhalten) zeigt ein brunftender Bulle seinen Status. Die Revierbullen müssen die Weibchen zunächst davon überzeugen, auch wirklich hochrangige Männchen zu sein, mit denen sie sich einlassen können.
Erfolgreich: Nach diversen Kämpfen und ritualisierten Zurschaustellungen seiner Stärke kommt dieser Bulle endlich an sein Lebensziel: Fortpflanzung.

Die unterschiedlichen Lebensweisen drücken sich auch in ihrer Jungenaufzucht aus: In einigen Populationen sind die Jungen Ablieger – was die stammesgeschichtlich ältere Form der Jungenversorgung ist. In Maasai Mara und in Uganda sind einige Junge aber auch eher „Nachfolger“, die, wie beim Gnu, nach der Geburt sofort der Mutter folgen.

Fürsorglich: Leierantilopen sind aufopferungsvolle Mütter, die ihre Kälber manchmal energisch verteidigen. In Maasai Mara bringen sie ihren Nachwuchs oft in „Kindergärten“ zusammen, wo einige Mütter die Sprößlinge beaufsichtigen, während  die meisten Mütter zum Weiden unterwegs sind.

Leierantilopen gehören zu der Unterfamilie „Kuhantilopen“ wozu eben die verschiedenen Kuhantilopen (Kongoni, Hartebeest), Buntböcke und Gnus zählen. Leierantilopen haben dabei die weitaus größte Verbreitung, die weite Teile der Sahelzone und Gebiete im östlichen und südwestlichen Afrika umfasst.

 

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