Afrikas Tierwelt Matira Magazin

Alles andere als feige: Tüpfelhyänen

Im Zwielicht: Tüpfelhyänen haben keinen guten Ruf und noch immer wird ihnen unterstellt, sie seien „feige Aasfresser“. Doch schon seit Hans Kruuks Untersuchungen in den späten Sechzigern des letzten Jahrhunderts ist klar: Sie verschmähen zwar keine Reste, doch sie sind auch hervorragende Jäger, erfolgreicher als Löwen.

Alles andere als feige: Tüpfelhyänen

Reinhard Radkes Kolumne zur afrikanischen Tierwelt

Von vielen Menschen werden Hyänen (in diesem Aufsatz sind damit immer Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta) gemeint) als eher unansehnlich wahrgenommen. Und wenn man sie dann noch am späten Morgen kichernd und jaulend um ein totes Tier versammelt sieht, ist für die meisten das Bild komplett: Aasfresser, die sich um die Reste der Beute Anderer schlagen. Diese Vermischung von einseitiger Wahrnehmung und Bestätigung von Vorurteilen scheint unausrottbar. Dabei ist spätestens seit den Arbeiten von Hans Kruuk Ende der Sechziger klar, dass Tüpfelhyänen sehr erfolgreiche und effektive Jäger sind. Oft genug sind es Löwen, die ihnen die Beute stehlen und nicht, wie meist kolportiert, die Hyänen, die den verklärten Katzen etwas entwenden…

 

Eine Hyäne verfolgt unbeirrt durch die anderen Tiere in der Herde ein junges Gnu. Sie konzentriert sich nur auf dieses eine Tier und läuft dabei nicht besonders schnell, ca. 50 – 60 km/Std. (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

Tüpfelhyänen haben ein sehr komplexes Sozialsystem, das ich an dieser Stelle bei anderer Gelegenheit aufgreifen werde. Bleiben wir hier zunächst bei ihren jägerischen Fähigkeiten. Die Taktik bei der Jagd von Tüpfelhyänen könnte nicht einfacher sein: Sie schlendern offen auf die in Aussicht genommenen Beutetiere zu – und werden dabei verblüffend dicht herangelassen! Nur Tiere mit Jungen halten wohlweislich größeren Abstand. Aus kurzer Distanz machen Hyänen – die oft alleine oder mit nur einem Partner jagen – einen Ausfall und bringen die potenziellen Opfer zum Laufen. Das kann eine ganze Weile so hin und her gehen, bis die Jäger aufgeben und weiterziehen, oder ein Tier entdecken, dass bei den Testläufen eine Schwäche zeigt. Dieses Ziel wird dann entschlossen verfolgt und über bis zu fünf Kilometer niedergehetzt.

 

So eine Hetzjagd kann über viele Minuten gehen, bis die junge Antilope schließlich erschöpft ist. Hyänen sind extrem ausdauernd und haben unter allen afrikanischen Raubtieren – auf das Körpergewicht bezogen – das größte Herz. (Foto: Gabriele Mierke-Radke)
Schließlich ist das Gnu zu erschöpft, um weiter zu flüchten. Schnell ist eine weitere Hyäne da, die von dem Tumult angelockt wurde. (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

Hyänen haben im Verhältnis zu ihrer Körpergröße das größte Herz aller afrikanischen Raubtiere. Sie sind damit viel ausdauernder als beispielsweise Löwen oder Geparde – aber eben auch ausdauernder als praktisch alle(!) Huftiere. Wenn sie sich einmal für eine intensive Verfolgung entschieden haben, wird es eng für das ausgewählte Opfer: Der Jagderfolg von Tüpfelhyänen liegt bei 30 bis 40 % und damit höher als bei Löwen.

Grundsätzlich machen die Jäger es sich natürlich so leicht wie möglich und wählen vor allem junge oder schwache Tiere aus. Wenn Beute aber knapp ist, können Hyänen durchaus auch ausgewachsene Büffel angreifen (ich sah einmal rund 20 Hyänen, die sich auf einen Büffel stürzten, der von sechs Löwinnen gestellt worden war). Die meisten Jagden finden in den kühlen Stunden statt, also nachts oder am frühen Morgen, bzw. späten Abend. Das ist bei der äußerst anstrengenden Jagdweise auch zu erwarten. Aber die Getüpfelten sind völlig unberechenbar: Einmal beobachtete ich eine Hyäne, die sich mittags, bei strahlendem Sonnenschein und entsprechender Temperatur, an die Fersen einer Thomson-Gazelle geheftet hatte. Die Gazelle wirkte völlig gesund und es war nicht klar, was als Auslöser für die energische Jagd gewirkt hatte. Die Verfolgung endete erst nach mindestens drei Minuten (den Beginn konnte ich nicht sehen).

 

Hyänen jagen meistens nachts oder in den kühlen Morgen- und Abendstunden. Diese griff aber selbst in der Mittagshitze eine Thomson-Gazelle an, die schnellste Huftierart der Savanne! Die Verfolgung zog sich lange hin und die Gazelle versuchte den Verfolger abzulenken, indem sie dicht an anderen Gazellen vorbeilief.
Gazellen laufen bei Verfolgungen nur so schnell, wie sie müssen, um einen Abstand zu halten. Dadurch kann die Hyäne dranbleiben. Ihre im Prinzip überlegene Höchstgeschwindigkeit nutzt der Gazelle also nichts, wenn die Verfolgerin nicht lockerlässt und das Thommy müde hetzt. Die Tiere legten mehrere Kilometer zurück – letztendlich gab dann aber die Hitze den Ausschlag und die Hyäne musste aufgeben.

Da Hyänen keinen Tötungsbiss haben, und ihre zum ausdauernden Laufen geformten schlanken Beine mit den stumpfen Krallen die Beute nicht niederhalten können (wie bei den großen Katzen), ist das Töten der Beute schauerlich anzusehen. Dies trägt sicher auch nicht dazu bei, ihnen Sympathien einzutragen. Sie reißen dem Opfer die Weichteile auf, was zum Verbluten führt. Die Opfer wirken nach minutenlangem Lauf meist sehr erschöpft und eigenartig teilnahmslos, sie stehen sicher unter Schock. Wenn mehrere Hyänen dazu kommen, ist die Beute meist in wenigen Minuten tot.

 

Bei der Jagd auf Zebras finden sich oft mehrere Hyänen zusammen. Hier haben sie ein krankes Tier ausgemacht und erlegten es in einer halben Stunde wobei sie zwischendurch mehrere Male das Interesse zu verlieren schienen.
Hyänen haben keinen Tötungsbiss und das Opfer stirbt meist durch Verbluten. Da sich an einem Riss oft große Gruppen von Hyänen versammeln, versuchen alle so schnell und so viel wie möglich zu fressen. Sobald das Opfer nicht mehr flüchten kann, „verschwendet“ somit kein Jäger Zeit darauf, die Beute zu töten bevor er zu fressen beginnt.

Tüpfelhyänen jagen manchmal in Gruppen. Oft ist es aber ein Einzeltier, das sich ein Opfer sucht, wobei sich später weitere Jäger anschließen können. Wenn wenig Beute in der Gegend ist, kommt es aber regelmäßig vor, dass sich abends von vorneherein Jagdgruppen bilden, die dann große Tiere wie Zebras jagen, oder versuchen, Kälber aus Büffelherden zu isolieren. Tatsächlich bilden Büffelkälber in Maasai Mara einen großen Teil der Hyänenbeute, wenn die Gnuherden nicht im Reservat sind.

 

Ein krankes Büffelkalb, das der Herde nur sehr langsam folgen konnte, wird von mehreren Hyänen angegriffen. (Foto: Gabriele Mierke-Radke)
Die Büffelkuh ist hinter der Herde bei ihrem Kalb zurückgeblieben und versucht, die Angreifer abzuwehren. Hyänen können mit ihrem leistungsfähigen Kreislauf dieses grausame Katz-und-Maus-Spiel viel länger durchhalten, als das massige Huftier. (Foto: Gabriele Mierke-Radke)
Fast spielerisch lassen Hyänen die Kuh immer wieder ins Leere laufen, bis sie schließlich völlig erschöpft ihr Junges aufgeben muss. (Foto: Gabriele Mierke-Radke)

Tüpfelhyänen haben ein sehr komplexes Sozialsystem und sind untereinander oft sehr aggressiv. Aber das ist eine andere Geschichte…

 

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